Regatta der Krabbenkutter in Neuharlingersiel

Korso der Krabbenkutter auf der Nordsee

Die traditionelle Kutterregatta gehört jeden Sommer fest zum Veranstaltungsprogramm des Thalasso-Nordseeheilbad Neuharlingersiel. Anlässlich ihres 50. Jubiläums wurde die Regatta vom 22. Juli 2016 bis zum 24. Juli 2016 ganz groß gefeiert. Ein zusätzlicher Kutterkorso bot am 23. Juli vielen Besuchern des Festes die Möglichkeit auf einem Fischkutter mitzufahren.

Trotz des attraktiven Rahmenprogramms stehen die Kapitäne mit Ihren Fischkuttern im Mittelpunkt der Veranstaltung. Beim Kampf um das „Blaue Band“ von Neuharlingersiel fahren die Kapitäne um die besten Zeiten. Sie putzen ihre Kutter so richtig heraus und schmücken sie mit viel Liebe sehr festlich. Schließlich wird auch das Aussehen der Kutter bewertet. Auch während der Regattafahrten haben die Besucher die Möglichkeit auf ihrem Lieblingskutter mitzufahren. Während der Fischkutter mit seiner gesamten Kraft durch die Wellen der Nordsee pflügt, fiebern die Gäste mit dem Kapitän dem erhofften Sieg entgegen. Das ist ein Spaß für die ganze Familie!

Aber wo hat die Regatta der Krabbenkutter ihren Ursprung?

Wir gehen zurück in das Jahr 1965, das Jahr der ersten Kutterregatta in Neuharlingersiel. Erstmalig fand im Gebiet zwischen Elbe und Ems eine Regatta der Krabbenkutter statt. Bei schönstem Sommerwetter und günstigen Tideverhältnissen fand ein Spektakel statt, das es so noch nicht in den Nordseehäfen gegeben hat. 16 malerisch geschmückte Schiffe, alle aus Neuharlingersiel, waren am Start und erwarteten ihre Chance, die erste Regatta, diese so wichtige Premiere gewinnen zu dürfen. Es ging nicht nur um den Sieg der Regatta, es ging um sehr viel mehr.

Die Neuharlingersieler Kutterfischer repräsentierten an diesem Tag vor der Öffentlichkeit die Gesamtheit ihrer rund 500 Berufskollegen. Dr. Johannssen, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Fischindustrie, wies bereits im Jahre 1965 darauf hin, dass der Sinn der Regatta sei, eine schöne, alte Tradition wiederaufleben zu lassen und zeitgleich auf den harten und risikorechen Beruf des Fischers hinzuweisen.

Das Wort „Regatta“ ist eine allgemeine Bezeichnung für eine Bootswettfahrt. Eine alte Tradition von Wettfahrten, die sich teilweise über tausende von Kilometern erstreckten und ihren Ursprung in Venedig hat, wurde in Neuharlingersiel wieder auf den Plan gerufen. Ganz nebenbei wurde damals schon die Werbewirksamkeit eines solchen Spektakels entdeckt. Eigentlich sollten die Regatten Werbung für die Krabbenfischerei sein, nebenbei waren sie aber auch eine ganz besondere Attraktion für den Tourismus, damals Fremdenverkehr genannt.

Die Regatta wurde von den nachfolgenden drei Veranstaltern organisiert: Der Fischerverein Neuharlingersiel, der Kurverein Neuharlingersiel sowie der Bundesverband der deutschen Fischindustrie. Alle drei waren sich von vornherein darüber im Klaren, dass diese erste Regatta 1965 in Neuharlingersiel als Experiment anzusehen ist. Es gab keine Erfahrungen, ob die erhoffte Werbewirksamkeit eintrifft oder nicht. Scheitert das Pilotprojekt oder bildet es die Basis für eine auf Jahre erfolgreiche Attraktion für Einheimische und Gäste?

Bei der ersten Kutterregatta säumten Hunderte von Schaulustigen die Start- und Ziellinie der Regatta, die Hafenausfahrt. Am 15.08.1965, kurz nach 13:00 Uhr war es endlich soweit, der Startschuss schickte die erste Kutter-Gruppe auf die Reise. Die Kutter fuhren im Fahrwasser in Richtung Spiekeroog. Als Wendepunkt lag damals der Seenotkreuzer „Ulrich Steffens“ im Wattenmeer vor Anker. Die Besatzung der „Ulrich Steffens“ teilte dem Hafen per Funk die Stände des Regattafeldes mit. Vom „Tower“ des Rettungsbootshauses in Neuharlingersiel wurden die Zuschauer vom Radio-Reporter Ewald Christophers laufend informiert.

Sieger in der Gesamtwertung der ersten Regatta im Jahre 1965 wurde der Kapitän Bernhard Ricklefs mit seinem Kutter „Johanne“. In den Einzelbewertungen Farbanstrich, Ausschmückung sowie Geschwindigkeit belegte Kapitän Ricklefs in der Gruppe vier den ersten Platz.

Die erste Kutterregatta fand in der Bevölkerung Anklang und somit sollte im Jahr 1966 die zweite Regatta veranstaltet werden. Es sei an dieser Stelle nochmals darauf hingewiesen, dass es sich bei der Kutterregatta vom Grundgedanken her um eine reine Werbeveranstaltung für die Deutsche Fischerei handelte.

1966 war die Veranstaltung dann schon um einiges spektakulärer. Gegen ein Entgelt in Höhe von  2 DM pro Person war es möglich, auf den Kuttern mitzufahren. Der Andrang war so groß, dass einige Kutter außer Konkurrenz mitfuhren, um die über 1000 Interessenten an dem Vergnügen teilhaben lassen zu können. Die „Nordseebad Spiekeroog GmbH“ ließ zwei Fahrgastschiffe in unmittelbarer Nähe der Wendemarke, in 1966 bereits eine Leuchtboje, vor Anker gehen. Somit hatten auch die Inselgäste eine hervorragende Möglichkeit die Kutterregatta live mit zu verfolgen.

Die Presse beschrieb Neuharlingersiel scherzhaft als „Venedig des Nordens“ und die zweite Kutterregatta in Neuharlingersiel übertraf alle Erwartungen. Rund 3000 Zuschauer verfolgten interessiert den Verlauf der Regatta. Gesamtsieger der zweiten Regatta war wie im Vorjahr der Kapitän Bernhard Ricklefs mit seinem Kutter „Johanne“.

Die damaligen Veranstalter, der Kurverein und der Fischerverein Neuharlingersiel, zeigten sich mit dem Verlauf der 2. Kutterregatta äußerst zufrieden. Die Höhe der Besucherzahl übertraf alle Erwartungen und so zog man in Erwägung, im Jahr 1967 auch Kutter aus den Nachbarhäfen einzuladen.

Im Laufe der Jahre ist die Regatta zu einem wahren Publikumsmagneten herangewachsen und was als kleine Werbeveranstaltung ins Leben gerufen wurde, entwickelte sich zu einem richtigen Event. Auch in diesem Jahr wird die Kutterregatta wieder in Neuharlingersiel stattfinden.

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